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Wie wir wurden, was wir sind

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Ein Buch über die Firma Samen Schwarzenberger. Vom Gründer Johann bis zur Betriebsübergabe 2022 von Erich an Markus Schwarzenberger. Viele Jahrzehnte beschreiben spannendste Ereignisse.

24.06.1950 27.02.1951

24.06.1950 27.02.1951 1950ER Unbezwingbar schnell und mit unverwechselbarem Stil fuhr Toni Sailer in den 1950er Jahren von Sieg zu Sieg. Das 1945 zerbombte Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum wird wieder eröffnet. 04.07.1953 Alois Grauss folgt Alfons Weißgatterer als Landeshauptmann nach. 31.12.1955 Föhnstimmung Der Innsbrucker Hermann Buhl besteigt den Nanga Parbat. 14.03.1956 Erstmals in der Tiroler Tourismusgeschichte überschreitet die Zahl der Gäste die Millionengrenze. Ein Jahrzehnt, das sich ganz dem Morgen verschrieb. Der Krieg war nicht vergessen, aber vorbei, und man wollte vorausdenken. Der Tourismus erblühte, die Landwirtschaft lebte ebenso auf wie die Kulturszene. Idole wie Toni Sailer begeisterten, Vespa, Rock ‚n‘ Roll und neue Mode hielten Einzug. Hermann Buhl (links) und Walter Frauenberger bei einem Vortrag im Wiener Konzerthaus nach der Nanga-Parbat- Expedition. USIS Albertini Die Großkundgebung von Schloss Sigmundskron bei Bozen in Südtirol fand am 17. November 1957 statt. Marie Émile Antoine Béthouart war Oberkommandierender der französischen Besatzungstruppen in Österreich und war von 1946 bis 1950 Hochkommissar. Er betonte stets, nicht als Besatzer, sondern als Befreier gekommen zu sein. Geburtsstunde der Tiroler Flugrettung: Eine verletzte Skifahrerin wird mit einem Flächenflugzeug aus dem Kühtai gerettet. 11.06.1956 Ein Flugzeugabsturz über Innsbruck Kranebitten fordert mehrere Todesopfer. 17.11.1957 09.02.1958 Toni Sailer wird in Gastein dreifacher Weltmeister. 26.05.1959 Innsbruck wird nach seiner zweiten Bewerbung 1955 mit der Durchführung der Olympischen Winterspiele 1964 betraut. 12.11.1957 Hans Tschiggfrey wird Tiroler Landeshauptmann. Die Parole „Los von Trient“ prägt die Großkundgebung auf Schloss Sigmundskron nahe Bozen, zu der die Südtiroler Volkspartei unter ihrem neugewählten Obmann Silvius Magnago aufgerufen hatte. Die Situation in Südtirol spitzt sich immer mehr zu. Bereits im September 1956 hatte es die ersten Sprengstoffanschläge gegeben. 13.09.1959 Der Festumzug in Innsbruck mit der Dornenkrone als Symbol der Teilung des Landes wird gleichzeitig zum stärksten Verkehrstag in der Geschichte Tirols. Innerhalb von nur zwei Stunden werden 120.000 Menschen nach Innsbruck befördert. Tirol war besetzt, doch waren die französischen Besatzer dem Land und seinen Menschen freundlich gesinnt. Dies ist nicht zuletzt Marie Émile Antoine Béthouart, dem langjährigen Hochkommissar in Österreich, zu verdanken. Er betonte stets, nicht als Besatzer, sondern als Befreier gekommen zu sein, und trat für einen unabhängigen österreichischen Staat ein. An den Grenzen ließ er Schilder mit der Aufschrift „Autriche, pays ami“ – Österreich, befreundetes Land – anbringen. Er erlaubt auch den Schützen, sich wieder zu bewaffnen. Doch den wahren Respekt des ganzes Landes erfuhr er nach 1950, als er durch eine Kranzniederlegung am Bergisel den Volkshelden Andreas Hofer ehrte. Einer seiner Mitarbeiter, Serge Bataille, erinnerte sich: „Als General Béthouart bei seiner Verabschiedung über den Rennweg in Innsbruck durch ein Spalier von Menschen zog, sind Frauen mit ihren Kinder aus der Menge heraus zu ihm gelaufen und haben ihn gebeten, ihre Kinder zu segnen. Die Verehrung war wirklich aufrichtig.“ Die 50er sind auch als das Jahrzehnt der Ära der drei Landeshauptmänner bekannt: Alfons Weißgatterer (1945–1951), Alois Grauss (1951–1957) und Hans Tschiggfrey (1957–1963) prägten die Politik des Landes. Polstermöbel und Urlaubsgäste. In den 1950er Jahren wurden die Lebensmittelrationen aufgehoben. Nun, da die dringendsten Bedürfnisse wieder gestillt werden konnten, sehnte man sich nach ein klein wenig Luxus, etwa was die Ausstattung der eigenen vier Wände betraf. Ein Sofa oder ein Polsterstuhl musste es sein. Die Wirtschaft begann aufzublühen. Vor allem war es der Fremdenverkehr, der nicht nur Gäste, sondern auch Wohlstand brachte. Hauptsaison war damals noch der Sommer. Fortschritt am Berg und im Tal. Bedeutend war zur damaligen Zeit das Berggesetz, das für die Berggebiete besondere Förderungsmaßnahmen mit sich brachte, etwa für die Erstellung von Wasserleitungen, Aufforstungen, Weideverbesserungen, Wegbauten bis hin zur Errichtung von Seilbahnen und Elektroleitungen. Der Fortschritt hielt Einzug. Die zunehmende Mechanisierung, Entwicklungen im Pflanzenbau und in der Tierzucht, der Einsatz von Handelsdünger und die Verwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln hatten einen Anstieg der Produktivität in der Landwirtschaft zur Folge. Einer der stärksten Wirtschaftszweige war übrigens die Herstellung von Flachs, mit der sich die bäuerliche Bevölkerung beschäftigte. Die Kunst kehrt zurück. Das rege Kulturleben Tirols, das durch den Anschluss 1938 zum Erliegen gekommen war, blühte in den 1950ern wieder auf. Künstler und Musiker wie Max Weiler, Paul Flora, Gerhild Diesner, Wilfried Kirschl, Karl Plattner und Robert Nessler sind bedeutende Vertreter jener Zeit. ▞ 30 31