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Wie wir wurden, was wir sind

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Ein Buch über die Firma Samen Schwarzenberger. Vom Gründer Johann bis zur Betriebsübergabe 2022 von Erich an Markus Schwarzenberger. Viele Jahrzehnte beschreiben spannendste Ereignisse.

Die Strafe folgt auf dem

Die Strafe folgt auf dem Holzboden In den 1960ern war ein eigener Telefonanschluss noch eine Rarität. Wenn man aber über gute Kontakte und noch besseren Honig verfügte (siehe S. 13), sah die Sache gleich anders aus. Nun hatte man also ein Telefon. Damit man das Läuten im Tennen auch hören konnte, wurde hinterm Haus eine Schelle montiert. Im Tennen waren Erich, Luise und Hanni beschäftigt. Wobei die zwei Damen aus irgendeinem Grund den Unmut des Familienoberhaupts erregten. Während er sie mit für diesen speziellen Fall vorgesehenen landesüblichen Namen betitelte, ertönte die Klingel und der schimpfende Erich rannte Richtung Büro. Doch Zorn gepaart mit Laufschritt, noch dazu auf unebenem Untergrund, ist keine optimale Kombination und als Erich stolperte und sich Knie und Ellenbogen am Holzboden aufschlug, war die Erheiterung der Damen entsprechend groß. Die Klingel war im Übrigen so laut, dass man sie auch bei einem Spaziergang am Inn, 600 Meter Luftlinie entfernt, noch ausgezeichnet vernahm. Zum Wohle der Nerven aller wurde eine leisere Klingel eingebaut. Mit dem Adrema-Adressierungssystems konnten Adressen auf Alublätter gestanzt und auf Lieferscheine, Versandetiketten und anderes gestempelt werden. Jahre das Büro modernisiert wurde, verschwand das alte Mobiliar und mit ihm, zur bodenlosen Entrüstung der Kundschaft, auch besagte und wohlbekannte Lade. Wie groß die Erleichterung war, als die Besucher feststellten, dass die Lade lediglich den Ort gewechselt hatte, ist mit Worten kaum zu beschreiben, mit Zahlen aber sehr wohl. Jedes Jahr fanden hier 200 Kilogramm Wiener Mischung erwartungsfrohe Abnehmer, dazu kamen noch Manner, Stollwerk, Fruchtgummis und auch sonst noch einige „Plombenzieher“, wie all diese klebrigen Zuckerbömbchen landläufig genannt werden. Als Markus Schwarzenberger, der Enkel von Erich Schwarzenberger, viele Jahre später mit den Vorbereitungsarbeiten für den neuen Shop begann, wurde beim Bau der neuen Möbel darauf hingewiesen, dass man eine Zuggerle- Lade brauche. Wenn man den Blick des Handwerkers als ungläubig und verwirrt beschreiben möchte, kommt man der Reaktion nur ansatzweise nahe. Tatsächlich Auch ein Stapler wurde im Zuge des Innovations- und Modernisierungsprozesses angeschafft. Somit hatte das händische Stapeln im gesamten Lager endlich ein Ende. hat die Lade heute nicht mehr den Stellenwert, den sie früher genoss, was wohl daran liegen mag, dass die Kundschaft gesundheitsbewusster geworden ist. Am wie immer reich bestückten Inhalt der Lade liegt es jedenfalls bis heute nicht. Und nun, Mr. Watson? 1969 wurde das Lager – wie immer in Eigenregie – ein weiteres Mal um 690 Quadratmeter erweitert. Woraufhin Erich zufrieden feststellte: „Jetzt haben meine Kinder und Kindeskinder Lagerfläche genug.“ Im Dachboden des Lagers kamen zehn Holzsilos unter. Ein Elevator und eine Ampfer-Putzmaschine trugen zur weiteren Qualitätsverbesserung bei. Nun kam der Klee im ersten Stock in den Elevator und wurde schließlich in einem der Silos gelagert. Als der Kleesamen vom Ampfer Die Reiseschreibmaschine war die erste ihrer Art, die dank Erich im Unternehmen Einzug hielt – zum Missfallen von Johann („neumodernes Zeug!“). Es dauerte aber nicht allzu lange, bis sich Johann an das neue Gerät gewöhnt hatte – und emsig in die Tasten klopfte. befreit wurde, war die Verwunderung allerdings groß. Da fehlte einiges. Wie war es denn möglich, dass so viel Ausputz anfallen konnte? Das wollte man nun doch genau wissen und zählte also alle Säcke an gereinigtem Saatgut und Ausputz durch. Am Ende fehlten über 1.000 Kilogramm! Man kann sich vorstellen, was nun folgte. Eine akribische Spurensuche wurde gestartet und nach einiger Zeit, die man nebst dem Alltagsgeschäft ja prinzipiell zur Genüge hat (ein wenig Sarkasmus am Rande), fand man den Übeltäter. Die neuen Silos waren nicht dicht. Man behalf sich wie immer erfindungsreich und kleidete die Silos mit Blechen aus, was sie auch abdichtete. Eine Rechenmaschine! Denn zum Rechnen gab es viel. Die Olivetti Divisumma hatte allerdings einen entscheidenden Nachteil: Sie war so laut, dass Rechnen und Telefonieren gleichzeitig nicht möglich war. Multitasking- Fähigkeit scheiterte damals noch an den Maschinen. Der erste Fernschreiber war eine Schreibmaschine mit Telefonanschluss. Machte man während des Schreibens einen Fehler, wurde dieser beim Gegenüber gleich angedruckt. Das war nicht immer von Vorteil. Ertappt! Übeltäter gab es im langen Lauf der Geschichte des Unternehmens auch immer wieder mal unter den Kunden. Früher wurden noch alle Saatgut-Säcke ganz einfach mit Spagat oder Draht am Schopf gebunden. Ein guter Kunde, nennen wir ihn Sepp, kaufte immer wieder diverse Reinsaaten, die er dann wieder weiterverkaufte. Nach einigen Wochen brachte er einen Sack voll mit teurem Glatthafer zurück, da diesen keiner haben wollte. Wie es der Zufall so wollte, musste Erich just zu diesem Zeitpunkt einen halben Sack Glatthafer für eine weitere Bestellung abfüllen. Also öffnete er den Sack von Sepp. Und staunte nicht schlecht. Denn der Inhalt des Markenarbeit 1964 sollten ein Firmenlogo und auch ein eigenes Briefpapier entwickelt werden. Nach einigen Selbstversuchen, die dem schlussendlichen Logo schon sehr nahe kamen, wurde die Angelegenheit in professionelle Hände gelegt. 46 47